Cybervize

Was ist ein Agentic ISMS, und was bleibt beim Menschen?

Alexander Busse·28. Oktober 2026

Neue Beiträge per E-Mail

Wir schicken Ihnen eine E-Mail, sobald ein neuer Beitrag erscheint. Nur der neue Beitrag, keine Werbung. Abmelden können Sie sich jederzeit über den Link in jeder E-Mail.

Sie erhalten zuerst eine Bestätigungsmail. Mit dem Abonnieren willigen Sie auch ein, dass unser Versanddienst Brevo erfasst, ob Sie die E-Mails öffnen und Links darin anklicken. Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung.

Drei Roboter tragen Mappen zu einem Schreibtisch, an dem eine Person jede Mappe prüft und in eine grüne oder eine graue Ablage legt.

Ein Agentic ISMS ist ein Managementsystem für Informationssicherheit, in dem KI-Agenten mitarbeiten: Sie leiten Risiken, Maßnahmen, Kontrollen und Richtlinien aus den Unterlagen eines Hauses ab, binden neue Anforderungen in den Bestand ein und führen Aufgaben aus. Wie weit ein Agent allein handeln darf, legt ein Mensch fest, und jeder Schritt bleibt nachweisbar.

Mit diesem Begriff beschreiben wir OdySecure, das Agentic ISMS von Cybervize. Die Definition steht auch auf unserer Seite zum Agentic ISMS, dort mit einem Vergleich und Antworten auf häufige Fragen.

Warum der Begriff jetzt aufkommt

Agentisch heißen KI-Systeme, die auf ein Ziel hin arbeiten und dabei selbst wählen, welchen Schritt und welches Werkzeug sie als Nächstes nehmen. Sie lesen Unterlagen, rufen Werkzeuge auf und tragen Ergebnisse selbst in Systeme ein. Solche Systeme kommen inzwischen in Unternehmenssoftware an. Anbieter von GRC-Software werben mit „Agentic GRC“, Anbieter von Software für den IT-Service mit „Agentic ITSM“. Agentic GRC steht meist für Werkzeuge, in denen KI-Agenten einzelne Compliance-Aufgaben erledigen, etwa Nachweise sammeln oder Fragebögen ausfüllen.

In einem Agentic ISMS arbeiten die Agenten im Managementsystem selbst. Sie bauen das Modell aus Risiken, Maßnahmen und Kontrollen auf und binden neue Frameworks in diesen Bestand ein. In den Sicherheitsprozessen übernehmen sie Aufgaben bis zur Triage von Vorfällen.

Was sich gegenüber klassischer ISMS-Software ändert

Klassische ISMS-Software führt das Managementsystem mit Assets, Risiken, Maßnahmen, Richtlinien und Nachweisen. Im üblichen Zuschnitt entstehen die Einträge aus Fragebögen, Katalogen und Vorlagen, die jemand im Haus durcharbeitet.

In einem Agentic ISMS übernimmt die KI diese Vorarbeit. Angenommen, ein Haus lädt in OdySecure seinen Netzplan, die Verträge mit zwei Dienstleistern und das Notfallhandbuch hoch und macht Angaben zur Organisation. Die Ableitung liest den Text aus, erkennt die Infrastruktur und leitet daraus Risiken, Maßnahmen, Kontrollen und Entwürfe für Richtlinien ab.

Das Ergebnis sind Vorschläge. Die Informationssicherheitsbeauftragte (ISB) nimmt sie an, einzeln oder gesammelt, und verwirft, was nicht passt. Richtlinien legt die Ableitung als Entwürfe an. Sie gelten erst nach Prüfung und Freigabe.

Die Arbeit der ISB verschiebt sich damit vom Anlegen zum Prüfen. Zu den Vorschlägen hält OdySecure die Begründung und ihre Belegstellen in den Dokumenten fest. Ob ein Risiko für das eigene Haus stimmt und eine Maßnahme angemessen ist, beurteilt weiter jemand, der das Haus kennt.

Drei Arten, wie Agenten im ISMS arbeiten

Agenten nehmen in einem ISMS auf drei Arten Arbeit ab: Sie leiten ab, sie antworten und erledigen Aufträge, und sie handeln unter eigener Kennung. Warum diese Reihenfolge zählt, haben wir in Agenten sind der letzte Schritt, nicht der erste beschrieben.

Ableiten

Den ersten Modus zeigt das Beispiel oben. Dazu gehört auch, ein neues Framework in den Bestand einzubinden. Die KI ordnet seine Anforderungen den vorhandenen Risiken zu und prüft, welche davon bestehende Maßnahmen schon abdecken. Für die übrigen schlägt sie Maßnahmen vor. Entsteht aus einer Lücke ein neues Risiko, legt sie es unbewertet als Vorschlag an. Der Risikoverantwortliche bewertet es und entscheidet, ob es gilt. In OdySecure ist dieser Modus verfügbar. Aus ihm entsteht der Bestand, auf dem die beiden anderen Modi arbeiten.

Fragen und beauftragen

Fragen Sie Ihr ISMS. Jede Antwort kommt mit Beleg. In OdySecure macht das der Navigator. Eine Frage wie „Wie viele offene Maßnahmen hat Standort Nord über der Frist?“ beantwortet er aus den Daten Ihres Hauses. Die Quellen hängt OdySecure aus den abgefragten Daten an, nicht das Sprachmodell. Findet der Navigator keine Grundlage für eine Antwort, fragt er nach. Ihre Fragen protokolliert OdySecure im Audit-Log Ihres Hauses.

Auf Ihre Anweisung erledigt der Navigator auch Arbeit im System. Schreiben Sie im Chat „Lege eine Aufgabe zur Prüfung der Passwortrichtlinie an“, zeigt er zuerst einen Plan mit den Einträgen, die er anlegen will. Ausgeführt wird erst, wenn Sie seinen Plan bestätigt haben, und nur mit Ihren Rechten. Auf demselben Weg verknüpft er Maßnahmen mit Risiken oder trägt Kennzahlen ein. Eine Risikoakzeptanz oder eine befristete Ausnahme legt er als Antrag an, über den die zuständigen Personen entscheiden. Ihre letzten fünf bestätigten Aktionen können Sie in der Regel zwei Stunden lang rückgängig machen. Der Navigator ist in OdySecure verfügbar.

Handeln

Im dritten Modus erledigen angebundene Agenten Aufgaben selbst, zum Beispiel die Triage von Vorfällen. In OdySecure lautet der Status: Design-Partner-Programm, noch nicht allgemein verfügbar. Ein Agent arbeitet dort unter eigener Kennung und mit eigener Rolle. Seine Autonomiestufe legt ein Mensch je Aufgabe fest. Vorschlagen ist der Standard. Damit ein Agent handeln darf, müssen zwei verschiedene Personen das freigeben. Einen Vorfall abschließen, ein Risiko akzeptieren oder sich selbst Rechte geben kann ein Agent nie. Ein Kill-Switch sperrt einen Agenten und widerruft seine Zugänge. Wer das früh einsetzen will, kann Design-Partner werden.

Wie OdySecure die Agenten absichert

Ein hochgeladenes Dokument kann versteckte Anweisungen enthalten, und ein Sprachmodell kann sich irren. OdySecure setzt seine Grenzen deshalb außerhalb des Sprachmodells durch. Was ein Agent nicht darf, sperrt die Rechteprüfung des Systems, gleich was im Prompt steht. Änderungen des Navigators führt der Server erst nach Ihrer Bestätigung aus. Im Audit-Log erscheint ein Agent unter seiner eigenen Kennung.

Inhalte aus Ihren Dokumenten gehen als gekennzeichnete Daten in die Prompts, getrennt von den Anweisungen. Die Ausgaben der Ableitung und der Agenten prüft OdySecure gegen ein festes Schema. Ob die zitierte Stelle eines Vorschlags in Ihrem Dokument steht, prüft OdySecure ohne KI am Dokumenttext. Lässt sie sich dort nicht finden, bleibt der Vorschlag gesperrt, bis ein Mensch entscheidet. Im Standardbetrieb laufen die Sprachmodelle auf Servern, die wir selbst betreiben.

Was beim Menschen bleibt

Ein Agentic ISMS nimmt Ihrem Team Arbeit ab. Pflichten und Verantwortung für die Informationssicherheit bleiben bei Ihrer Einrichtung und Ihrer Geschäftsleitung.

Die Steuerung des ISMS bleibt bei Menschen. Sie setzen die Sicherheitsziele, legen die Maßstäbe für die Risikobewertung fest und entscheiden, welche Anforderungen für das Haus gelten. In der Managementbewertung bestimmt die Leitung Prioritäten und Ressourcen.

Dazu kommen die Entscheidungen im Einzelfall: ob ein Vorschlag gilt, ob ein Risiko akzeptiert wird, wann ein Vorfall abgeschlossen ist und wer welche Rechte bekommt. Eine Risikoakzeptanz braucht in OdySecure eine Begründung und die Freigabe durch eine zweite Person. Jedem Agenten setzt ein Mensch die Grenze für eigenständiges Handeln.

Im vCISO-Mandat führt ein Senior-CISO von Cybervize die Umsetzung in OdySecure und informiert Ihre Geschäftsleitung. Die Verantwortung bleibt auch dann bei ihr.

Wie ein Auditor das sieht

Die ISO 27001 verlangt in Abschnitt 7.5.2, dass dokumentierte Information geprüft und freigegeben wird. Ein Werkzeug schreibt sie nicht vor. Ob ein Mensch oder eine KI den Entwurf geschrieben hat, ändert aus unserer Sicht nichts an dieser Anforderung.

Im Audit zählt, ob die Maßnahmen umgesetzt sind und wirken. OdySecure misst die Wirksamkeit einer Maßnahme an Nachweisen, etwa an Kennzahlen, an Ergebnissen angebundener Werkzeuge wie Prowler oder Jira und an erledigten Aufgaben. Gemessene Werte zählen dabei mehr als eine bloße Erklärung.

Für die Dokumente zählt, wer was wann geprüft und freigegeben hat. OdySecure protokolliert Änderungen mit Zeitpunkt, Bearbeiter sowie altem und neuem Wert. Zu KI-Vorschlägen speichert es das Modell, die Begründung, ihre Belegstellen in den Dokumenten und wer sie geprüft hat. Das Protokoll lässt sich nur fortschreiben und wird stündlich als Hash-Kette versiegelt, die sich mit einem Prüfpaket auch außerhalb von OdySecure nachrechnen lässt. Richtlinien durchlaufen Entwurf, Prüfung und Freigabe nach dem Freigabemodell Ihres Hauses. Im Standard sind das zwei verschiedene Personen, mehr als die Norm fordert.

Wo OdySecure heute steht

Die ersten beiden Modi, Ableiten sowie Fragen und beauftragen, sind in OdySecure verfügbar. Für das Handeln mit angebundenen Agenten läuft das Design-Partner-Programm.

Je vollständiger Ihre Unterlagen sind, desto mehr leitet OdySecure ab. Was die Ableitung über Ihr Haus weiß, stammt aus dem, was Sie hochladen und angeben. Fehlt eine Angabe, etwa zu einem Dienstleister, der im Vertrag steht, aber nicht im Lieferantenregister, legt OdySecure dazu eine Klärungsaufgabe an.

Ein Agentic ISMS steuert die Informationssicherheit und weist sie nach. Für Erkennung und Abwehr von Angriffen sind Ihre technischen Sicherheitssysteme da, und ihre Ergebnisse können als Nachweise in OdySecure einfließen.

Den Vergleich mit klassischer ISMS-Software und die Antworten auf häufige Fragen finden Sie auf unserer Seite zum Agentic ISMS.

Beschrieben ist der Stand von OdySecure am ausgelieferten Quelltext vom 27. Oktober 2026. Welche Funktionen eine Installation nutzt, hängt von ihrer Konfiguration ab. Normquelle: ISO/IEC 27001, Abschnitt 7.5.2.

Neue Beiträge per E-Mail erhalten. Nur der neue Beitrag, keine Werbung.

Neue Beiträge per E-Mail

Wir schicken Ihnen eine E-Mail, sobald ein neuer Beitrag erscheint. Nur der neue Beitrag, keine Werbung. Abmelden können Sie sich jederzeit über den Link in jeder E-Mail.

Sie erhalten zuerst eine Bestätigungsmail. Mit dem Abonnieren willigen Sie auch ein, dass unser Versanddienst Brevo erfasst, ob Sie die E-Mails öffnen und Links darin anklicken. Einzelheiten stehen in der Datenschutzerklärung.

Weitere Artikel

Passende Leistungen