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Problem-First statt Tool-Shopping: Cybersicherheit neu denken

Alexander Busse·25. Oktober 2025
Problem-First statt Tool-Shopping: Cybersicherheit neu denken

Warum die meisten Cybersicherheitsstrategien scheitern

Viele Unternehmen begehen denselben Fehler: Sie kaufen Tools, bevor sie ihre Probleme verstehen. Ein neues SIEM-System hier, eine EDR-Lösung dort, vielleicht noch ein Identity Management Tool. Die Liste der Sicherheitslösungen wächst, aber echte Sicherheit entsteht nicht.

Das Problem liegt nicht in den Tools selbst, sondern in der Herangehensweise. Wer mit Lösungen beginnt statt mit Problemen, verschwendet Ressourcen, erhöht die Komplexität und verliert den Blick für das Wesentliche: den Schutz der Geschäftsprozesse.

Fall in Love with the Problem: Eine Denkweise für Gründer und Sicherheitsverantwortliche

Uri Levines Bestseller "Fall in Love with the Problem, Not the Solution" hat die Startup-Welt nachhaltig geprägt. Das zentrale Prinzip: Erfolgreiche Unternehmen lösen echte Nutzerprobleme. Sie verlieben sich nicht in ihre Produkte, sondern in die Herausforderungen ihrer Kunden.

Diese Denkweise lässt sich direkt auf Cybersicherheit übertragen. Statt sich in die neueste Technologie zu verlieben, sollten Sicherheitsverantwortliche diese Fragen stellen:

  • Welche Geschäftsprozesse sind wirklich kritisch?
  • Wo liegen unsere größten Risiken?
  • Was würde ein Ausfall oder Angriff für unser Business bedeuten?
  • Welche Maßnahmen reduzieren das Risiko am schnellsten?

Von der Hypothese zur Wirkung

Levines Ansatz fordert uns auf, Hypothesen zu testen, falsche Fährten schnell zu erkennen und konsequent Wirkung zu messen. In der Cybersicherheit bedeutet das:

Hypothesen formulieren: "Wenn wir Multi-Faktor-Authentifizierung einführen, reduzieren wir das Risiko unbefugter Zugriffe um X Prozent."

Schnell testen: Pilotprojekte in kritischen Bereichen durchführen, nicht flächendeckend ausrollen ohne Evidenz.

Falsche Fährten beenden: Wenn eine Maßnahme nicht die erwartete Risikoreduktion bringt, Ressourcen umlenken.

Wirkung messen: Nicht die Anzahl implementierter Tools zählt, sondern die messbare Reduktion des Geschäftsrisikos.

Problem-First: Ein Framework für moderne Cybersicherheit

Die problem-first Denkweise führt zu einem grundlegend anderen Ansatz in der Cybersicherheit. Hier ist das Framework, das erfolgreiche Organisationen anwenden:

1. Geschäftsrisiken sichtbar machen

Beginnen Sie nicht mit einem Technologie-Audit, sondern mit einer Business-Impact-Analyse. Welche Prozesse sind geschäftskritisch? Wo würde ein Sicherheitsvorfall den größten Schaden anrichten?

Typische kritische Prozesse:

  • Auftragsabwicklung und Rechnungsstellung
  • Produktionssteuerung in der Fertigung
  • Kundendatenmanagement
  • Lieferkettenkommunikation
  • Forschung und Entwicklung

Für jeden dieser Prozesse gilt es, spezifische Risiken zu identifizieren: Datenverlust, Verfügbarkeitsausfall, Manipulationen, Compliance-Verstöße.

2. Nach Business-Impact priorisieren

Nicht alle Risiken sind gleich. Eine Risikomatrix hilft, Prioritäten zu setzen:

  • Hohe Eintrittswahrscheinlichkeit + hoher Schaden = höchste Priorität
  • Niedrige Wahrscheinlichkeit + niedriger Schaden = niedrige Priorität

Diese Priorisierung muss mit den Fachabteilungen gemeinsam erfolgen, nicht isoliert in der IT-Abteilung. Nur so entsteht ein realistisches Bild der tatsächlichen Geschäftsrisiken.

3. Time to Risk Reduction als zentrale Kennzahl

Traditionelle Security-Metriken messen oft das Falsche: Anzahl der Schwachstellen, Anzahl der Vorfälle, Anzahl installierter Patches. Wichtiger ist die Time to Risk Reduction: Wie schnell können wir identifizierte Risiken auf ein akzeptables Niveau senken?

Diese Kennzahl zwingt zur Fokussierung. Sie verhindert, dass Teams sich in weniger kritischen Aufgaben verlieren, während wesentliche Risiken unbehandelt bleiben.

4. Tools gezielt auswählen

Erst jetzt, nach der Problem- und Risikoanalyse, kommen Tools ins Spiel. Die Frage lautet nicht mehr "Welches ist das beste SIEM?", sondern "Welches Problem lösen wir mit diesem Tool?"

Konkrete Leitfragen:

  • Adressiert dieses Tool ein identifiziertes Top-Risiko?
  • Lässt sich die Wirkung messen?
  • Wie fügt es sich in bestehende Prozesse ein?
  • Welche Alternative gibt es, um das gleiche Problem zu lösen?

Der Cybervize-Ansatz: Wirkung statt Selbstzweck

Die Mission von Cybervize basiert genau auf dieser Philosophie. Ziel ist es, Prozesse, Risiken, Maßnahmen und Fortschritt so abzubilden, dass Entscheidungen einfacher werden und Wirkung sichtbar bleibt.

Konkret bedeutet das:

Transparenz über Geschäftsrisiken: Welche Prozesse sind gefährdet? Wie hoch ist das Risiko wirklich?

Maßnahmenplanung mit Wirkungsprognose: Welche Maßnahme reduziert welches Risiko um wie viel?

Fortschrittsmonitoring: Sind wir auf Kurs? Wo müssen wir nachsteuern?

Integration statt Insellösung: Sicherheit als integraler Bestandteil des Geschäftsbetriebs, nicht als isolierte IT-Funktion.

Dies ist kein Selbstzweck, sondern Schutz fürs Geschäft. Sicherheit wird messbar, nachvollziehbar und steuerbar.

Für wen dieser Ansatz geeignet ist

Die problem-first Denkweise in der Cybersicherheit ist besonders wertvoll für:

Gründerinnen und Gründer: Die mit begrenzten Ressourcen maximale Wirkung erzielen müssen und keine Zeit für Tool-Spielereien haben.

CISOs und Sicherheitsverantwortliche: Die dem Management den Wert ihrer Arbeit nachweisen müssen und echte Risikoreduktion statt Tool-Listen präsentieren wollen.

Mittelständische Unternehmen: Die keine großen Security-Teams haben und jeden Euro gezielt einsetzen müssen.

Regulierte Branchen: In denen Compliance-Nachweise auf Basis echter Risikobetrachtung erforderlich sind, nicht nur Check-the-Box-Übungen.

Der Weg nach vorne: Von der Erkenntnis zur Praxis

Theorie ist wichtig, aber Umsetzung entscheidet. Hier sind konkrete Schritte, um problem-first Cybersicherheit in Ihrer Organisation zu etablieren:

Schritt 1: Workshop mit Stakeholdern

Bringen Sie IT, Fachabteilungen und Management zusammen. Identifizieren Sie gemeinsam die Top 5 geschäftskritischen Prozesse.

Schritt 2: Risiko-Mapping

Für jeden Prozess: Welche Cyber-Risiken bestehen? Was wäre die Auswirkung eines Vorfalls?

Schritt 3: Lückenanalyse

Wo sind wir heute? Welche Risiken sind bereits adressiert, welche nicht?

Schritt 4: Maßnahmenplan mit Wirkungsprognose

Welche drei Maßnahmen würden das Risiko am schnellsten und effektivsten senken?

Schritt 5: Pilotierung und Messung

Starten Sie mit einem Pilotprojekt. Messen Sie die Wirkung. Lernen Sie. Iterieren Sie.

Fazit: Wert vor Features, Klarheit vor Lärm

In einer Welt voller Sicherheits-Tools, Marketing-Versprechen und Compliance-Anforderungen ist es leicht, den Überblick zu verlieren. Die problem-first Denkweise bringt Klarheit zurück.

Es geht nicht darum, die neueste Technologie zu haben. Es geht darum, die richtigen Probleme zu lösen. Es geht um Wert, nicht um Features. Um Klarheit, nicht um Lärm. Um Geschäftsschutz, nicht um Tool-Sammlungen.

Organisationen, die diesen Paradigmenwechsel vollziehen, werden nicht nur sicherer, sondern auch effizienter und agiler. Sie verwandeln Cybersicherheit von einem Kostenfaktor in einen strategischen Enabler.

Sind Sie bereit für den Perspektivwechsel? Wenn Sie problem-first arbeiten wollen, wenn Sie Wirkung vor Tool-Listen setzen und wenn Sie Teil einer Bewegung sein wollen, die Cybersicherheit neu denkt, dann lassen Sie uns den Austausch suchen.

Die Zukunft der Cybersicherheit liegt nicht in mehr Tools, sondern in besserem Verständnis. Nicht in komplexeren Systemen, sondern in klareren Prioritäten. Nicht in blinder Aktivität, sondern in messbarer Wirkung.