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KI-Projekt ohne Owner? Warum Verantwortung entscheidend ist

Alexander Busse·5. Februar 2026
KI-Projekt ohne Owner? Warum Verantwortung entscheidend ist

Warum jedes KI-Projekt einen Owner braucht

Viele mittelständische Unternehmen stehen heute vor derselben Herausforderung: Sie haben in KI-Technologien investiert, Budgets freigegeben und sogar interne Richtlinien entwickelt. ChatGPT Enterprise ist ausgerollt, die ersten Mitarbeiter experimentieren damit, und die Geschäftsführung spricht von "digitaler Transformation". Doch bei genauerer Betrachtung fehlt ein entscheidendes Element: ein klarer Owner für das KI-Projekt.

Ohne eine Person oder Rolle, die die Verantwortung trägt, sind selbst die ambitioniertesten KI-Initiativen zum Scheitern verurteilt. Dies ist kein technisches Problem, sondern ein Führungsthema, das in vielen Unternehmen unterschätzt wird.

Das Problem: KI-Projekte ohne Verantwortung

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ihr Unternehmen hat eine KI-Lösung eingeführt. Die ersten Wochen laufen vielversprechend, doch dann tauchen Fragen auf. Ein Mitarbeiter ist unsicher, ob sensible Kundendaten in das KI-Tool eingegeben werden dürfen. Ein anderer findet die Ergebnisse ungenau und weiß nicht, an wen er sich wenden soll. Die IT-Abteilung wird mit Anfragen überhäuft, für die sie weder Budget noch Mandat hat.

Was passiert dann? Ohne klaren Owner gibt es niemanden, der:

  • Schnelle Entscheidungen bei Problemen trifft
  • Die strategische Weiterentwicklung vorantreibt
  • Als Ansprechpartner für Fragen und Eskalationen fungiert
  • Budget und Ressourcen verantwortet
  • Die KI-Governance sicherstellt

Das Resultat: Das Projekt versandet, die Nutzung nimmt ab, und am Ende landet alles wieder auf dem Schreibtisch der IT, die ohnehin schon überlastet ist.

Drei kritische Gründe für einen KI-Owner

1. Ohne Owner gibt es keine Entscheidungen bei Problemen

KI-Projekte sind komplex und werfen regelmäßig Fragen auf, die schnelle Entscheidungen erfordern. Datenschutzbedenken, unklare Nutzungsszenarien oder technische Probleme können den gesamten Betrieb ins Stocken bringen, wenn niemand die Entscheidungskompetenz hat.

Ein Owner trägt die Verantwortung dafür, dass bei auftretenden Problemen nicht wochenlang diskutiert wird, sondern zeitnah Lösungen gefunden werden. Dies umfasst auch die Eskalation an die Geschäftsführung, wenn grundsätzliche strategische Fragen geklärt werden müssen.

2. Ohne Owner gibt es keine Weiterentwicklung

KI-Technologien entwickeln sich rasant weiter. Was heute State-of-the-Art ist, kann morgen bereits überholt sein. Ohne jemanden, der den Markt beobachtet, neue Anwendungsfälle identifiziert und die kontinuierliche Verbesserung vorantreibt, bleibt Ihr KI-Projekt stehen.

Ein guter KI-Owner:

  • Sammelt Feedback von Nutzern
  • Identifiziert neue Einsatzmöglichkeiten
  • Evaluiert zusätzliche Tools und Funktionen
  • Treibt Schulungen und Change Management voran
  • Misst den ROI und optimiert den Einsatz

3. Ohne Owner landet alles wieder bei der IT

Die IT-Abteilung wird in vielen Unternehmen als universeller Problemlöser angesehen. Doch KI-Strategie ist kein reines IT-Thema. Es geht um Geschäftsprozesse, um die Veränderung von Arbeitsweisen und um strategische Weichenstellungen für die Zukunft des Unternehmens.

Wenn die IT-Abteilung zum Standard-Owner für KI-Projekte wird, ohne entsprechendes Budget und strategisches Mandat, führt das zu Frustration auf allen Seiten. Die IT kämpft mit fehlenden Ressourcen, während die Fachabteilungen sich nicht ausreichend unterstützt fühlen.

Wer sollte Owner eines KI-Projekts sein?

Die Antwort auf diese Frage hängt von der Größe und Struktur Ihres Unternehmens ab. In größeren Mittelständlern kann dies ein Chief Digital Officer (CDO) oder Chief Information Officer (CIO) mit entsprechendem Mandat sein. In kleineren Unternehmen könnte es ein Geschäftsführer sein, der diese Verantwortung übernimmt.

Wichtig ist, dass die Person:

  • Entscheidungskompetenz und Budget-Verantwortung hat
  • Verständnis für die strategische Bedeutung von KI besitzt
  • Zugang zur Geschäftsführung hat
  • Zeit und Ressourcen für diese Aufgabe bekommt
  • Sowohl technische als auch fachliche Perspektiven einbeziehen kann

Es kann auch ein KI-Steering Committee sinnvoll sein, in dem verschiedene Stakeholder vertreten sind. Aber selbst dann braucht es einen Hauptverantwortlichen, der die Fäden in der Hand hält.

Praktische Schritte zur Etablierung von KI-Ownership

Wenn Sie erkannt haben, dass Ihr KI-Projekt einen klaren Owner braucht, sollten Sie folgende Schritte unternehmen:

1. Definieren Sie Rollen und Verantwortlichkeiten Erstellen Sie eine klare Beschreibung, wer für welche Aspekte des KI-Projekts verantwortlich ist. Dies sollte schriftlich festgehalten und kommuniziert werden.

2. Stellen Sie Ressourcen bereit Ownership ohne Budget und Zeit ist wertlos. Stellen Sie sicher, dass die verantwortliche Person oder das Team die notwendigen Ressourcen hat.

3. Schaffen Sie Entscheidungswege Legen Sie fest, welche Entscheidungen der Owner treffen kann und wann die Geschäftsführung eingebunden werden muss.

4. Implementieren Sie Governance-Strukturen Entwickeln Sie klare Prozesse für die KI-Governance, inklusive Datenschutz, Compliance und Risikomanagement.

5. Kommunizieren Sie transparent Stellen Sie sicher, dass alle Mitarbeiter wissen, wer der Ansprechpartner für KI-Themen ist.

Fazit: KI braucht Führung, nicht nur Technologie

Die erfolgreiche Implementierung von KI im Mittelstand ist weniger eine Frage der Technologie als vielmehr eine Frage der Führung und Verantwortung. Ohne einen klaren Owner werden KI-Projekte zu führungslosen Schiffen, die früher oder später auf Grund laufen.

Stellen Sie sich die Frage: Wer ist in Ihrem Unternehmen wirklich für KI-Projekte verantwortlich? Wer trifft die Entscheidungen, wenn es schwierig wird? Wer treibt die Weiterentwicklung voran?

Wenn Sie auf diese Fragen keine klare Antwort haben, dann haben Sie kein KI-Projekt. Sie haben bestenfalls ein Experiment.

Handeln Sie jetzt: Definieren Sie klare Verantwortlichkeiten, geben Sie Ihrer KI-Initiative einen Owner, und verwandeln Sie Experimente in strategische Projekte, die echten Mehrwert für Ihr Unternehmen schaffen.

KI-Governance und digitale Transformation sind keine Buzzwords, sondern essenzielle Erfolgsfaktoren für die Zukunftsfähigkeit mittelständischer Unternehmen. Wer jetzt die richtigen Strukturen schafft, wird morgen die Vorteile ernten.