Cybervize – Cybersecurity Beratung

Bits & Pretzels: Warum Founder kaum VCs erreichen

Alexander Busse·1. Oktober 2025
Bits & Pretzels: Warum Founder kaum VCs erreichen

Die Realität von Startup-Events: Ein ehrlicher Blick auf Bits & Pretzels

Als Gründer ist die Suche nach Investoren eine der größten Herausforderungen auf dem Weg zum Erfolg. Networking-Events wie Bits & Pretzels in München versprechen genau das: direkten Zugang zu Venture Capital Investoren, wertvolle Kontakte und die Möglichkeit, das eigene Startup voranzubringen. Doch die Realität sieht oft anders aus.

Nach meinem zweiten Besuch bei Bits & Pretzels möchte ich meine Erfahrungen teilen und aufzeigen, warum große Networking-Events nicht immer der beste Weg sind, um an Kapital zu kommen.

Das Versprechen: VC-Zugang auf einem der größten Startup-Events Europas

Bits & Pretzels hat sich in den letzten Jahren zu einem der prominentesten Startup-Events in Europa entwickelt. Die Veranstaltung bringt Gründer, Investoren und Innovatoren aus der ganzen Welt zusammen. Das Konzept klingt verlockend: drei Tage voller Networking, Pitch-Sessions und direkter Kontakt zu Entscheidungsträgern aus der VC-Welt.

Für Gründer, die sich in der Fundraising-Phase befinden, scheint das die perfekte Gelegenheit zu sein. Die Teilnehmerliste ist beeindruckend, die Speaker hochkarätig und die Atmosphäre inspirierend. Doch zwischen Versprechen und Wirklichkeit klafft oft eine große Lücke.

Die Realität: Wenn VCs nicht erreichbar sind

Meine Erfahrung beim zweiten Besuch war ernüchternd. Obwohl das Event eine Matching-App bereitstellte, um Kontakte zwischen Gründern und Investoren zu erleichtern, wurde diese von den meisten VCs nicht genutzt. Das führte zu folgenden Problemen:

Unantwortete Kontaktanfragen

Trotz gezielter Outreach-Bemühungen blieben die meisten meiner Nachrichten unbeantwortet. Die VCs waren entweder mit ihrem eigenen Programm beschäftigt, hatten bereits volle Terminkalender oder nutzten die digitalen Tools einfach nicht. Das macht es für Gründer nahezu unmöglich, ein persönliches Gespräch zu initiieren.

Minimale Meeting-Erfolgsquote

In drei Tagen gelang es mir, lediglich zwei VC-Meetings zu sichern. Für die investierte Zeit, die Reisekosten und die Opportunitätskosten ist das eine erschreckend niedrige Ausbeute. Im Vergleich zu gezielten Investor-Calls oder Warm Introductions durch bestehende Kontakte ist die Effizienz deutlich geringer.

Unvorhergesehene Störungen

Am letzten Tag sollte das sogenannte Liquid Networking auf dem Oktoberfest stattfinden, wo ich zwei weitere VC-Gespräche geplant hatte. Eine Bombendrohung führte jedoch zur Absage der Veranstaltung, sodass auch diese Gelegenheiten wegfielen. Solche externen Faktoren kann niemand vorhersehen, aber sie zeigen, wie fragil die Networking-Strategie auf großen Events sein kann.

Was funktioniert hat: Community und Peer-Networking

Trotz der ernüchternden VC-Bilanz hatte der Besuch auch positive Aspekte. Die Startup-Community auf Bits & Pretzels ist lebendig und engagiert. Ich konnte wertvolle Kontakte zu anderen Gründern knüpfen, die in ähnlichen Situationen stecken.

Diese Peer-Connections sind nicht zu unterschätzen:

  • Erfahrungsaustausch: Andere Gründer teilen ihre Learnings aus Fundraising-Prozessen
  • Potenzielle Partnerschaften: Synergien zwischen Startups können zu Kooperationen führen
  • Emotionale Unterstützung: Der Gründerweg ist oft einsam, der Austausch mit Gleichgesinnten hilft

Dennoch bleibt die Frage: Wenn das primäre Ziel der Zugang zu Kapital ist, rechtfertigt das die Investition in solche Events?

Das strukturelle Problem: VC-Zugang durch Zufall statt Design

Die Kernproblematik liegt in der Struktur solcher Großveranstaltungen. VC-Zugang basiert auf Zufall statt auf Design. Es gibt keine garantierten Meeting-Slots, keine strukturierten Pitch-Sessions für alle Teilnehmer und keine Verpflichtung für Investoren, mit Gründern zu sprechen.

VCs kommen oft mit einem vollen Programm: Keynote-Auftritte, Panel-Diskussionen, Meetings mit Portfolio-Unternehmen oder gezielten Gesprächen mit bereits bekannten Gründern. Neue, unbekannte Startups haben es schwer, in diese priorisierten Zeitpläne einzubrechen.

Warum VCs Matching-Apps nicht nutzen

Investoren werden täglich mit Pitch-Decks und Anfragen überflutet. Auf Events wie Bits & Pretzels potenziert sich dieses Problem. Die Matching-App wird zur weiteren Quelle von Anfragen, die sie nicht bearbeiten können oder wollen. Die Folge: Sie ignorieren die App komplett und konzentrieren sich auf vorselektierte Gespräche.

Alternative Strategien für effektives Fundraising

Nach zwei Besuchen bei Bits & Pretzels habe ich für mich entschieden, dass eine dritte Teilnahme nicht attraktiv ist. Stattdessen konzentriere ich mich auf Formate, bei denen Investoren strukturell eingebunden sind:

Investor-fokussierte Demo Days

Events, bei denen Startups gezielt vor einer Gruppe von VCs pitchen können, bieten eine viel höhere Erfolgsquote. Die Investoren kommen mit der expliziten Absicht, neue Deals zu finden.

Accelerator-Programme

Programme wie Y Combinator, Techstars oder branchenspezifische Accelerators bieten nicht nur Mentoring, sondern auch direkten Zugang zu einem Netzwerk von Investoren, die bereits Interesse an den Programmteilnehmern haben.

Warm Introductions

Die effektivste Methode bleibt die persönliche Empfehlung durch jemanden, den der Investor bereits kennt und respektiert. Das können Mentoren, Business Angels, andere Gründer oder Branchenexperten sein.

Gezielte Outreach-Kampagnen

Eine gut recherchierte, personalisierte E-Mail an einen VC, der nachweislich in ähnliche Unternehmen investiert hat, kann effektiver sein als die Teilnahme an einem dreitägigen Event.

Virtuelle Pitch-Plattformen

Digitale Plattformen wie Fundable, Gust oder branchenspezifische Netzwerke ermöglichen es, mit weniger Zeitaufwand eine größere Anzahl relevanter Investoren zu erreichen.

Lessons Learned: Was Gründer wissen sollten

Meine Erfahrung bei Bits & Pretzels hat mir wichtige Lektionen gelehrt:

  1. Große Events sind nicht automatisch effektiv für Fundraising: Die Teilnehmerzahl allein garantiert keinen Zugang zu den richtigen Personen.
  2. Struktur schlägt Zufall: Events mit festen Meeting-Formaten sind produktiver als offene Networking-Formate.
  3. Zeit ist die wertvollste Ressource: Als Gründer muss jede Investition von Zeit und Geld gut überlegt sein.
  4. Community hat Wert, aber andere Ziele: Peer-Networking ist wertvoll, sollte aber nicht mit Investor-Zugang verwechselt werden.
  5. Qualität über Quantität: Zwei vorqualifizierte VC-Meetings sind mehr wert als die Hoffnung auf zufällige Begegnungen.

Fazit: Die richtige Event-Strategie finden

Bits & Pretzels ist ein beeindruckendes Event mit einer starken Community und inspirierenden Inhalten. Für Gründer, die sich vernetzen, lernen und die Startup-Szene erleben möchten, ist es sicherlich wertvoll.

Für Gründer im aktiven Fundraising-Prozess ist es jedoch ratsam, die Erwartungen realistisch zu setzen. Der VC-Zugang ist begrenzt und basiert weitgehend auf Zufall. Wer primär Kapital sucht, sollte seine Ressourcen auf Formate konzentrieren, bei denen Investoren strukturell eingebunden sind und mit der expliziten Absicht teilnehmen, neue Deals zu evaluieren.

Die wichtigste Erkenntnis: Nicht jedes Event ist für jedes Ziel geeignet. Eine klare Strategie, realistische Erwartungen und die Auswahl der richtigen Formate sind entscheidend für erfolgreiche Fundraising-Bemühungen.

Für Gründer gilt: Investiert eure Zeit dort, wo die Wahrscheinlichkeit eines ROI am höchsten ist. Manchmal bedeutet das, populäre Events auszulassen und stattdessen auf gezielte, kleinere Formate zu setzen.